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JA zu einem echten Neuanfang

NEIN zur revidierten Verfassung der reformierten Kirche beider Appenzell an der Abstimmung vom 19. Juni 2022

Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten.

Jesus Christus

Die Präambel der neuen Verfassung ersetzt den Heiligen Geist mit einer blossen Kraft.

Das trennt die Landeskirche beider Appenzell von den vielen, die sich in der weltweiten Christenheit dazu bekannt haben, dass der Heilige Geist sie leite.

Die neue Verfassung: ein Gesetz zur Ermächtigung des Kirchenrates

Mehr Macht als der Papst
Artikel 16,2 gibt dem Kirchenrat mehr Macht, als der Papst in der römisch-katholischen Kirche hat. Die neue Verfassungsbestimmung erlaubt dem Kirchenrat, an den lokalen Behörden vorbei direkt in jede Kirchgemeinde zu greifen. Für jede Kirchgemeinde (mit Ausnahme von Appenzell) kann er «Massnahmen treffen». Er kann selber definieren, wann eine Gemeinde «wesentliche Aufgaben» nicht erfüllt, und kann dann andere Gemeinden zur Zusammenarbeit mit ihr verpflichten. Und kann festlegen, welche Massnahmen die betroffenen Gemeinden zu vollziehen haben. Er kann beispielsweise verfügen, dass eine gemeinsame Gottesdienstplanung den regelmässigen Kanzeltausch gewährleistet, eine gemeinsame Unterrichtskommission gemeinsame Katechetinnen anstellt, oder dass eine unwillige Pfarrerin entlassen wird.

«Das wird ein vernünftiger Kirchenrat niemals tun», lautet der Einwand. Und das ist gewiss wahr. Doch auch der Kirchenrat ist vor Unvernunft nicht gefeit. In Schönwetterzeiten, wenn alle sich gutwillig verhalten, braucht es keine Gesetze. Sie sind da für den Fall, dass Menschen anmassende Ideen entwickeln und übergriffig werden. Auch einer kirchlichen Oberbehörde kann das geschehen, und es ist verantwortungslos, sie mit beispiellosen Vollmachten in entsprechende Versuchungen zu führen.

Geringgeachtet und ausmanövriert: eine Synode zum Schämen
Es ist bezeichnend, und tief beschämend, wie die Artikel 16,2 und 16,3 in die neue Verfassung gelangt sind. Der Kirchenrat hat seine Stellung missbraucht. Er hat das Mitdenken in den Gemeinden beiseitegeschoben, ohne auf die Argumente einzugehen, souverän wie ein Alleinherrscher. Und die Synode hat sich gutgläubig manipulieren lassen.

Die beiden Artikel standen schon im Entwurf für die 1. Lesung. Sie wurden heftig kritisiert. Im Entwurf für die 2. Lesung waren sie deshalb deutlich abgeschwächt und eingegrenzt. Drei Wochen vor der 2. Lesung wurde den Synodalen mit den Unterlagen der Antrag des Kirchenrates auf Rückkommen zugesandt. Der Kirchenrat wollte zurück zur ursprünglichen Fassung, die ihm weitreichende Vollmachten gibt. Auf die Argumente der Kritiker ging er nicht ein. Er berief sich vielmehr – ohne das auszuführen – auf die Autorität des Juristen. Die Kirchgemeinde Appenzell hatte sich mit einem Spezialartikel abgesichert: Sie ist als einzige von dieser neuen Machtfülle des Kirchenrates nicht betroffen. Die Synode liess sich überrumpeln. Das Protokoll hält fest, dass ein Ordnungsantrag gestellt wurde, der nicht zur Abstimmung gelangte, und signalisiert damit: Die Synodalen waren müde und verwirrt. Die Präsidentin stellte eine nebensächliche Veränderung hervor. Die scherwiegende Ermächtigung des Kirchenrates, gegen die in der 1. Lesung heftige Kritik formuliert worden war, wurde diskussionslos akzeptiert.

Reissbrettkirche
Artikel 16,2 und 16,3 stehen für das moderne, abstrakte Denken mit seiner Respektlosigkeit und Anmassung. Die beiden Artikel dokumentieren ein Vertrauen in die Machbarkeit, das viel Unheil über die Menschen bringt.

Allen Kirchen gemeinsam ist das Vertrauen auf das, was Jesus seinen Jüngern zum Abschied versprochen hat: Der Tröster, der heilige Geist, wird euch leiten in alle Wahrheit (Johannes 16,13). Deshalb sind alle Getauften zu allen Zeiten davon ausgegangen, dass sie zuerst einmal respektieren wollen, was den vorangehenden Generationen geschenkt worden ist – und dass sie das auch getrost kritisieren und verändern dürfen, wenn die Bibel das mit klaren Worten erlaubt oder fordert. Denn allen Generationen gemeinsam ist der Glaube: Der Heilige Geist will uns leiten mit dem, was Jesus aus den Heiligen Schriften seines Volkes geschöpft hat (Johannes 14,26).

Das moderne Denken hat sich aus dieser Bindung gelöst. Mit abstrakten Ideen hat es für sich beansprucht: Jetzt erkennen wir das Wesen Gottes, das Wesen der Menschen, das Wesen des Christentums, das Wesen der Macht, das Wesen der Deutschen, der Juden, der Russen etc.– und können aus dieser Einsicht ein neues, besseres Leben formen. Nicht die Geheimnisse Gottes verwalten, wollen seither die Kirchenobern, wie der Apostel Paulus das als seine schwere Aufgabe ansah (1. Korinther 4,5). Sondern sie wollen die Kirche «gestalten».

Der grosse Pastoraltheologe Ernst lange kritisierte bereits vor mehr als 50 Jahren: So entstehen Kirchen, die auf dem Reissbrett entworfen worden sind: Flach und ohne Leben. Eine Reform nach der anderen hat die Engagierten müde gemacht und die umsichtig Denkenden aus der Kirche vertrieben: Kein Vernünftiger will mitverantwortlich sein für Ansprüche, die über alles menschlich Mass greifen und darum unweigerlich in etwas Wüstes münden. Keine der unzählig vielen Reformen hat eine neue, fröhliche Schaffenskraft freigesetzt. Keine hat die Kirche auf einen festen Grund gestellt, so dass ein zuversichtliches, geduldiges, fruchtbares Wirken möglich geworden wäre.

Beteiligen Sie sich an der wichtigen Diskussion.

APZ vom 13. Juni: «Heiliger Geist» oder «Heilige Geistkraft» – an der neuen Verfassung der evangelisch-reformierten Landeskirche beider Appenzell scheiden sich die Geister

Mea McGhee: Befürworter und Gegner der neuen Verfassung der Evangelisch-reformierten Landeskirche beider Appenzell haben an einer Podiumsdiskussion in Teufen ihre Argumente dargelegt. Hauptthemen waren die Macht des Kirchenrates und die Präambel.https://www.tagblatt.ch/ostschweiz/appenzellerland/appenzellerland-heiliger-geist-oder-heilige-geistkraft-an-der-neuen-verfassung-der-evangelisch-reformierten-landeskirche-beider-appenzell-scheiden-sich-die-geister-ld.2302752

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Nein zu einer Kirche ohne den heiligen Geist

Was ändert sich für unser Herz, wenn wir von der Heiligen Geistkraft reden und nicht vom Heiligen Geist? Ein Kollege meinte: Gar nichts! Schliesslich rede man auch in der deutschen Sprache zum Beispiel von einer Lehrkraft. Das bringt es auf den Punkt: Von Lehrkräften ist im Budget die Rede oder in Organigrammen. Wenn aber ein Kind von der Schule nach Hause kommt, erzählt es nicht: «Unsere Lehrkraft hat heute gesagt». Der Vater fragt: «Was hat die Lehrerin heute mit euch gemacht?» So ist auch die Rede von der Heiligen Geistkraft etwas für die theologische Theoriebildung – und nichts, was im

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APZ vom 8. Juni: Widerstand gegen die neue Kirchenverfassung der Evangelisch-reformierten Landeskirche AR/AI: Zwei Pfarrer weibeln für ein Nein

Astrid Zysset: Gegen die neue Kirchenverfassung regt sich Widerstand. Pfarrer Markus Grieder aus Urnäsch und der ehemalige Pfarrer Paul Bernhard Rothen sehen ein gefährliches Machtgefälle, das mit der neuen Verfassung einhergeht. https://www.tagblatt.ch/ostschweiz/appenzellerland/abstimmung-widerstand-gegen-neue-kirchenverfassung-der-evangelisch-reformierten-landeskirche-arai-zwei-pfarrer-weibeln-fuer-ein-nein-ld.2301591

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Nein zu zentralistischen Eingriffen in die Gemeinden

Artikel 16,2 ermächtigt den Kirchenrat, Gemeinden zur Zusammenarbeit zu verpflichten «und die dazu nötigen Massnahmen» zu treffen. Das heisst, anschaulich ausgeführt: Gemeinde X findet nicht die nötigen Mitglieder für ihre Vorsteherschaft. Der Kirchenrat verpflichtet die Gemeinden Y und Z, mit der Gemeinde X zusammenzuarbeiten. Und verfügt: Damit das gelingt, müssen die Pfarrerinnen und Pfarrer jeden Sonntag Kanzel tauschen, und eine gemeinsame Unterrichtskommission muss eine gemeinsame Katechetin anstellen. – So tiefgreifend wird der Kirchenrat wahrscheinlich nicht in das Leben der Kirchgemeinden greifen. Doch die neue Verfassungsbestimmung gibt ihm das Recht dazu – und zu noch tiefergreifenden Massnahmen. Zum Beispiel: Er stellt

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Nein zur Degradierung der Kirchenvorsteherschaft

Der Kirchentrat kann Gemeinden zur Zusammenarbeit verpflichten und die dazu nötigen Massnahmen ergreifen, heisst es in der neuen Verfassung. «Eine Massnahme ist im Rechtssinn ein einseitig-hoheitliches Handeln, das im Unterschied zur Rechtsnorm nicht allgemein verbindlich ist, sondern einen Einzelfall betrifft», definiert Wikipedia. Der Kirchenrat wird also für den Konfliktfall ermächtigt, einseitig und hoheitlich zu handeln, in einer Weise, die sich nicht allgemein verbindlich definieren lässt. Böse gesagt: Der Kirchenrat befiehlt. Die Arbeit müssen die Kirchenvorsteherschaften leisten. Sie müssen die Massnahmen des Kirchenrates in der alltäglichen Praxis umsetzen. Doch die Kirche ist kein Konzern. Die Vorsteherschaft besteht nicht aus Angestellten. Die

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Kirche hat mit Demokratie nichts zu tun. Es ist lediglich ein Tool. (Zugegeben: ein gutes Tool) Schaut euch unsere Schwesterkirchen an die sind nicht demokratisch unterwegs. Aber ich freue mich auf die nächste Synode, wenn ihr die Mitglieder des Kirchenrates mit „Heiligkeit“ ansprecht. Ich hoffe, ich gehöre zur ‚Gemeinde der Heiligen‘, insofern wäre es nicht verkehrt. 🙂 Im Gegenzug würde ich euch dann auch mit „Heiligkeit“ ansprechen, denn ich hoffe, dass ihr auch zur Gemeinde der Heiligen‘ gehört. 🙂

Regula Gamp, Waldstatt (Post aus Facebook)

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