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Für mich muss auch eine Kirche demokratisch geführt werden. Sonst müssten wir keine Kirchenvorsteherschaften mehr wählen und auch keine Kirchgemeindeversammlungen mehr abhalten. Ob das dann besser wird?
Demokratie ist für mich der Ausgang des Zusammenlebens. Egal in Kirche oder Staat. Deshalb stimme ich NEIN an der Abstimmung.
Liebe Marlies
Mein Post steht hier aus dem Zusammenhang gerissen. Es ist eine Reaktion auf eine Aussage von Markus Grieder auf facebook und eine Mail von Bernhard Rothen, in dem der Kirchenrat mit dem Papst verglichen wird. (Was für eine unüberlegte Äusserung von Bernhard 🤔)
Naja. Die Appenzeller Kirche benutzt das Tool der Demokratie – mit gutem Recht. Und deshalb hast du die Gelegenheit Nein zu stimmen.
Ich habe Ja gestimmt. Weil ich der Überzeugung bin und das Vertrauen in Gott habe, dass er weiss, wohin er seine Kirche führen wird. 😊
Liebe Regula,
von Jesus haben wir doch gelernt, ganz präzise (und trotzdem auch mit Humor) zu lesen und zu formulieren, beispielsweise Matthäus 22,15ff.
Ich habe nicht den Kirchenrat mit dem Papst verglichen. Ganz so unüberlegt schreibe ich nicht. Ich habe die Macht, die Artikel 16,2 dem Kirchenrat gibt, verglichen mit der Macht, die der Papst hat. Der Papst kann niemals direkt in ein Bistum oder gar in eine Kirchgemeinde greifen. Die neue Verfassung aber ermächtigt den Kirchenrat, Gemeinden den Befehl für eine Zusammenarbeit mit anderen zu erteilen „und die dazu nötigen Massnahmen“ zu treffen. (Diese Formulierung geht weit über das hinaus, was der Kanton tun kann, wenn eine politische Gemeinde bestimmte Aufgaben nicht erfüllt.)
Besonders erschreckend für mich ist, dass Du die Demokratie ein Tool nennst. Ein Tool ist ein Werkzeug. Man kann und soll es einsetzen für die eigenen Interessen, Ideen und Programme. Deine Formulierung klingt also so – oder deckt auf? – dass der Kirchenrat in der demokratischen Ordnung ein Mittel sieht, das er für seine Ziele einsetzen will (und darf oder muss).
Demgegenüber sehe ich (im Sinne der biblischen Mahnungen) in der demokratischen Machtverteilung eine sehr gute Ordnung, in die wir zu unserem Segen eingebunden sind. Voraussetzung ist die biblische Botschaft, dass alle Menschen Sünder sind und dass darum alle (alle!) in Gefahr sind, diese Macht zu missbrauchen. Und dass darum kein vernünftiger Mensch zu viel Macht haben will. Dasselbe positiv gesagt: Wir wollen alle Menschenmacht begrenzen, weil wir damit rechnen, dass der Heilige Geist auch anderen Erkenntnisse schenkt, die wir nur nur zum gemeinsamen Schaden übergehen.
Natürlich kann man sagen, der Kirchenrat werde seine Macht nie missbrauchen. Wer’s glaubt, wird… Allzu lange hat der Klerus in vielen Kirchen das selber geglaubt und dafür Glauben gefordert. Ein umsichtiger, erfahrener Kirchenratspräsident in einer grossen Kantonalkirche hat mir im Gegensatz dazu vor Jahren gesagt: „Ich bin froh, habe ich diese Macht nicht.“