Es zwingt zum Innehalten. Ein solcher Stopp kann verunsichern. Aber Verunsicherungen können produktiv sein. Die bisher Engagierten sind gefordert, auf kritische Anfragen zu hören und realistische Alternativen zu prüfen.
Das NEIN bietet die Chance, dass alle erwachen.
Auch Aussenstehende können merken: Es war nicht recht, dass wir uns nicht gekümmert haben um die Kirche. Wir müssen Mitverantwortung übernehmen. Zur Bewältigung der gemeinsamen Aufgaben brauchen wir starke Kirchen.
Das NEIN ist ein Signal für alle Kirchen der Schweiz.
Die vorgeschlagene Totalrevision der Verfassung steht in der langen Reihe von Gesetzesrevisionen, die in den letzten Jahrzehnten viele Kräfte gebunden und nichts Weiterführendes bewirkt haben. Wenn die kleine Landeskirche beider Appenzell den Mut hat, einen solchen Prozess der Gesetzgebung zu stoppen, und sich stattdessen für einen wahren Neuanfang zu sammeln, wird das in die ganze Schweiz ausstrahlen.
Es bereitet den Weg für ein nüchternes Analysieren und die Möglichkeit, sich tapfer für das Wohl der nächsten Generationen zu engagieren.
So ist das Geld für diese abgelehnte Totalrevision gut investiert.
Ein echter Neuanfang muss etwas kosten.
Die dringend nötige Verfassungsänderung, die Möglichkeit für Gemeindefusionen, lässt sich mit einer Teilrevision schnell und kostengünstig realisieren.
Verantwortlich für den Text:
Dr. Bernhard Rothen, Pfarrer und Synodaler in der Evangelisch reformierten Landeskirche beider Appenzell 2010 – 2021.
Vizepräsident des Schweizerischen Pfarrvereins 2001 – 2011.
Präsident des Evangelisch theologischen Pfarrvereins seit 2011, Gründungspräsident der Stiftung Bruder Klaus seit 1996.
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